„Mehr biologische Vielfalt“ möchten die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Bretten Andrea Schwarz und die von ihr eingeladene Europa-Abgeordnete der Grünen, Maria Heubuch. Wie das umgesetzt werden kann, darüber wurde im voll besetzten Forum Oberderdingen lebhaft diskutiert. Foto: Laura Paffrath

„Mehr biologische Vielfalt“ möchten die Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Bretten Andrea Schwarz und die von ihr eingeladene Europa-Abgeordnete der Grünen, Maria Heubuch. Wie das umgesetzt werden kann, darüber wurde im voll besetzten Forum Oberderdingen lebhaft diskutiert. Foto: Laura Paffrath

Lebhafte Diskussion über Landwirtschaft

Grüne Europa-Abgeordnete in Oberderdingen

Oberderdingen. Immer weniger landwirtschaftliche Betriebe produzieren immer mehr Lebensmittel; das Bundesamt für Risikobewertung stuft das Herbizid Glyphosat unter Einvernehmen von Studien des Herstellers als „nicht krebserregend“ ein; Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht das Insektensterben als eine Gefahr für unsere Lebensgrundlagen. Was die Landwirtin und Europa-Abgeordnete der Grünen Maria Heubuch und Andrea Schwarz, Landtagsabgeordnete derselben Partei, im Oberderdinger Forum aussprechen, ist nicht schönzureden. Und schon gar nicht einfach zu lösen.

Heubuch spricht in einen Raum, der nicht einmal mehr einen Stehplatz entbehren mag. Hunderte Besucher, darunter Landwirte und politisch Interessierte treffen sich, um über eine Transformation der Landwirtschaft zu sprechen.

Dabei liegt der schlagfertigen Politikerin eine Botschaft besonders am Herzen: Wie können Politik und Landwirtschaft gemeinsam mehr Vielfalt wagen? Gerade was ein mögliches Glyphosat-Verbot betrifft, plädiert die Politikerin für einen Kompromiss. „Wir brauchen eine Übergangslösung. Die Politik darf Landwirte nicht ohne Unterstützung vor vollendete Tatsachen stellen“, unterstreicht Heubuch. Sonst, so die Europa-Abgeordnete, übernehme das der Handel. Aldi habe bereits auf Druck der Öffentlichkeit reagiert und möchte seine Produkte nur noch von Glyphosat-freien Betrieben beziehen. „Wie die Bauern das von heute auf morgen anstellen sollen, fragt keiner“, ärgert sich Heubuch. Da stimmen ihr die Landwirte im Saal zu.

Dass ökologische Vielfalt sowohl auf Bio-Betrieben, als auch auf konventionellen Ackerflächen möglich ist, zeigen Studien. „Wichtig ist die Frage nach den Strukturen. Je kleiner diese sind, desto mehr Diversität kann walten. Unabhängig davon ob Bio oder konventionell“, klärt sie auf.

Und trotzdem gibt es neben viel Zustimmung auch Unmut und Gegenwind. Der enorme Preisdruck und sich verschärfende Regulationen von oben machen es den Landwirten schwer auf Intensivierung zu verzichten und kostendeckend zu wirtschaften. So sei es einem Viehbetrieb verboten, Gülle ohne Kontrollen an einen Betrieb weiterzugeben der diese zur Düngung gut gebrauchen könne. Anstatt dessen kaufe ein Betrieb ohne Tierhaltung Kunstdünger zu, ärgert sich ein Landwirt aus dem Publikum. Hinzu kommen die Kräfte der globalen Märkte. Billiges Gensoja aus Brasilien werde zur Fütterung von Schweinen in Deutschland importiert – wovon sich die anwesenden Landwirte kopfschüttelnd distanzieren. So jedenfalls sei es möglich dreimal am Tag günstige Fleischwaren zu essen. Der entstehende Produktionsüberschuss werde dann an Übersee weiterverkauft, entschlüsselt Heubuch die Funktionsweise des weltweiten Lebensmittelhandels. In der lebhaften, ja manchmal wütenden Diskussion ist es vor allem ein Punkt, der immer wieder angesprochen wird – das Konsumverhalten der Bevölkerung. Ist der Kunde nicht bereit, für ein regional hergestelltes Lebensmittel, mehr zu bezahlen, sondern immer nur darauf bedacht das günstigste zu kaufen, werde eine Aufwertung der lokalen Landwirtschaft zu einem schwierigen Unterfangen. Dennoch hofft Heubuch, dass es diese, teilweise sehr persönlichen Geschichten der Landwirte sind, mit denen man diese Aufgaben gemeinsam bewältigen kann. „Wenn wir immer politische Mehrheiten hätten, wäre es viel einfacher Lösungen zu finden“, erklärt Heubuch auf die Frage hin, warum auf EU-Ebene so wenig getan werde.

Immerhin habe das Land Baden-Württemberg insgesamt 36 Millionen Euro für den Artenschutz zur Verfügung gestellt. Gezielte Investitionen sollen es Landwirten ermöglichen, ihrer bedeutenden Rolle zur Förderung biologischer Vielfalt gerecht zu werden.

Die Landwirtschaft könne und müsse an der Erhaltung der Lebensgrundlagen beteiligt werden, sagt die Grünen-Politikerin noch, denn „sonst blüht uns möglicherweise allen irgendwann ein Frühling ohne Vogelgezwitscher“.

Quelle: BNN, Brettener Nachrichten, Sabrina Nagel

 Julian Breitschwerdt, grüner Gemeinderat in Oberderdingen und Vorsitzender des Oberderdinger Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen begrüßt die über hundert Besucher, die zur Veranstaltung „Frühling ohne Vogelgezwitscher - Grüne EU-Politik für mehr Vielfalt in Natur und Landwirtschaft“ ins Forum Oberderdingen gekommen waren. Foto: LP Andrea Schwarz MdL begrüßt die zahlreichen Besucher und berichtet über zusätzliche Gelder, die das Land für den Erhalt der Artenvielfalt bereitstellen wird. Foto: LP Maria Heubuch MdEP spricht im Forum Oberderdingen darüber, warum klein strukturierte Landwirtschaft zu mehr Artenvielfalt beiträgt. Foto: LP   Andrea Schwarz Mdl (Links) bedankt sich bei Maria Heubuch MdEP für ihr Kommen und ihren tollen Vortrag über die Zukunft der Landwirtschaft in Einklang mit Natur und Mensch. Als kleines Dankeschön gibt es Gutes aus dem Wahlkreis Bretten: einen Haselnusslikör aus dem Kraichtal von der Brennerei Weber, einen Honig aus Oberderdingen von Martin Rausch und einen leckeren Kräutertee. Foto: LP Nach dem offiziellen Teil des Abends herrschte bei einigen Besuchern nach wie vor großer Redebedarf. Maria Heubuch nahm sich Zeit, in Einzelgesprächen weiter über das große Thema Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Artenvielfalt zu sprechen. Foto: LP Auch Andrea Schwarz MdL stand nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung für weitere Gespräche zu den Themen Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und Artenvielfalt bereit, was von den Besuchern dankend angenommen wurde. Foto: LP Für die Besucher der Veranstaltung „Frühling ohne Vogelgezwitscher - Grüne EU-Politik für mehr Vielfalt in Natur und Landwirtschaft“ im Forum Oberderdingen hergerichtet: Infomaterial über gute Landwirtschaft und Land-grapping, Postkarten gegen Glyphosat und für den Erhalt der Artenvielfalt, Saisonkalender für Obst und Gemüse, Samentütchen für Bienenwiesen, Sonnenblumen und Basilikum. Foto: LP Ein leckeres Buffet, gerichtet vom Restaurant Herbingers, mit vegetarischen Häppchen, Brot, Brotaufstrichen, Salaten und Hefezopf stand für die Besucher vor und nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung bereit. Foto: LP Grüner Frauenpower: v. l. n. r.: Maria Heubuch MdEP, Andrea Schwarz MdL und Gabriele Aumann, Vorstandsmitglied des grünen Ortsverbandes Bruchsal.