„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Dieses Zitat von Erich Kästner könnte der Leitspruch der Veranstaltung von Andrea Schwarz MdL und Uwe Kekeritz MdB  „Fairer Handel – was können wir vor Ort tun?“ gewesen sein. Die Abgeordneten luden am 22. Mai 2017 entwicklungspolitisch Interessierte in den Bürgersaal des Alten Rathauses nach Bretten ein – und über 30 Menschen kamen trotz besten Wetters.

„Im September wollen wir die großen Verhältnisse im Bund ändern. Heute Abend geht es um das entwicklungspolitische Engagement in den Kommunen“, so begrüßte Pascal Haggenmüller, Bundestagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Wahlkreis Karlsruhe-Land, die Anwesenden.  Im September wollen Grünen dann für ein Verbot von Waffen in Krisengebiete und die Bereitstellung von 0,7 Prozent des BIP für die Entwicklungszusammenarbeit umsetzen.

Andrea Schwarz, entwicklungspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion und Wahlkreisabgeordnete aus Bretten,  begann ihre Ausführungen mit ihrer Grundüberzeugung: „Entwicklungspolitik ist für mich kein Nischenthema, sondern eine gesamtgesellschaftliche Querschnittsaufgabe, welche die politischen Themenfelder Wirtschaftspolitik, Umwelt- und Energiepolitik, Sozialpolitik, aber auch Gesellschaftspolitik beinhaltet.“  Aus diesem Grund handle die grüngeführte Landesregierung, obwohl die Entwicklungszusammenarbeit primär auf Bundesebene zu verorten sei. Aus dem Bewusstsein heraus, dass alles auf dieser Welt zusammenhänge, dass unsere Lebensweise Konsequenzen im letzten Winkel des globalen Südens habe und man die Welt auch im Kleinen verändern könne, trinke die grüne Landtagsfraktion sowie das grüngeführte Staatsministerium nur Kaffee aus Burundi. Dieser Kaffee werde dort genossenschaftlich, sozial und ökologisch erzeugt. Dabei fiel die Wahl auf burundischen Kaffees keineswegs zufällig aus Burundi. Seit den 80er Jahren pflegt Baden-Württemberg enge Kontakte zu dem ostafrikanischen Land. 2014 wurde eine formale Partnerschaft besiegelt. Im Moment befindet sich Burundi in einer innerstaatlichen Krise, was die Zusammenarbeit mit der Administration sehr schwierig gestalte, beziehungsweise unmöglich mache. Dies erfuhr Schwarz in einer Anfrage an die Landesregierung im April. „Wir lassen uns nicht beirren. Wir setzen weiter auf Zusammenarbeit und Unterstützung. Die burundische Diasporagemeinschaft in Deutschland kann unsere Hilfe gebrauchen. Gerade jetzt!“, fügte Schwarz hinzu. 

Der zweite wichtige Punkt der Landesregierung sei die Bewusstseinsbildung für globale Zusammenhänge. „Es ist wichtig, dass besonders Kinder und Jugendliche von Anfang an verstehen, was bewusster Konsum ist. Nachhaltiges Einkaufen muss gelernt sein. Der niedrige Preis im Supermarkt verdeckt oft das Elend, das hinter der Produktion steht“, sagte Schwarz. Sie selbst traf  im April an einer Schule in Vaihingen/Enz Schülerinnen und Schüler, die gemeinsam mit dem Dachverband Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg (DEAB) die Herstellung von Schokolade nachvollziehen wollten. „Da gab es einige geschockte Gesichter. Bei vielen hat das ein echtes Umdenken ausgelöst, als sie vom Elend der Kinder, die auf den Kakaoplantagen arbeiten müssen, erfahren haben. Für uns ein süßer Genuss, für die Kinder dort Arbeit bis zum Umfallen“, so Schwarz. Der DEAB wird vom Land Baden-Württemberg auf Forderung der Grünen hin finanziell unterstützt. Für die Fortschreibung der Förderung über das Jahr 2017 hinaus möchte sich Schwarz weiterhin stark machen.

Schwarz übergab an den aus Fürth kommenden Kekeritz, der bereits seit Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und nun Sprecher der grünen Bundestagsfraktion für das Thema Entwicklungspolitik ist. Laut Kekeritz sei Ungerechtigkeit der Grund allen Übels. Nicht nur, dass diese Ungerechtigkeit Staaten in Afrika ruinieren, hinzu komme dass Ungerechtigkeit auch die Demokratie gefährde. Der Kauf von Produkte aus fairem Handel sei hier ein Mittel für jeden Einzelnen etwas gegen diese Ungerechtigkeiten zu tun. Aber auch die öffentliche Beschaffung sah der Bundestagsabgeordnete  in der Pflicht. Bund, Länder und Kommunen kaufen jedes Jahr Waren im Wert von circa 350 Mrd. Euro. Rund ein Siebtel dieser Anschaffungen könne dabei fair eingekauft werden.  Dass öffentliche Anschaffungen fair, das heißt ohne Ausbeutung und Kinderarbeit geschehe, sollte für Kekeritz eigentlich eine Normalität sein, denn es könne nicht angehen, dass mit Steuergeldern Menschenrechtsverletzungen geduldet werden. Deshalb sei es wichtig, dass auch die Kommunen sich engagierten und sich der Kampagne Fairtrade-Towns anschlössen. Für die Aufnahme in die Kampagne seien dabei lediglich fünf Kriterien zu erfüllen. Ein Organisationsteam, Geschäfte mit fairen Produkten finden, Gastronomen, die zum Beispiel fairen Kaffee oder Tee anböten, eine jährliche Aktion zum Thema fairer Handel, ein Pressebericht oder ein Marktstand. „Und schon ist der Anfang getan“, so Kekeritz.  „Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen“, ergänzte ein Zuschauer den Abgeordneten. Derzeit gebe es knapp 500 Fairtrade- Kommunen in Deutschland. Schwarz und Kekeritz würden sich dabei über die ein oder andere Kommune aus dem Wahlkreis Bretten freuen.

Breits nach der Veranstaltung kamen die ersten Interessierten auf Kekeritz zu. Kekeritz händigte ihnen eine selbst erstellte Broschüre, mit allen Informationen und Formalia aus. Er wolle es den ehrenamtlich Engagierten vor Ort besonders einfach machen so, sagte Kekeritz abschließend. Die restlichen Broschüren überließ er der Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz.

Interessierte können die Broschüren im Büro von Andrea Schwarz bestellen (andrea.schwarz@gruene.landtag-bw.de).