Doppelzüngigkeit beim globalen Klimaschutz: Andrea Schwarz MdL kritisiert den Bau eines neuen Kohlekraftwerkes in Bangladesch nahe des Weltnaturerbes der Sundarbans

In den nächsten Monaten wird in Bangladesch ein Kohlekraftwerk ans Netz gehen, das mit deutschem Know-how geplant und gebaut wurde. Nicht nur, dass wir hier in Deutschland über Kohleausstiegsszenarien reden, weil sie zum Erreichen der Pariser Klimaziele unabdingbar ist, es ist auch deshalb verwerflich, weil der Bau des Kraftwerks das UNESCO-Weltnaturerbe der Sundarbans, der größten Mangrovenwälder der Erde beeinträchtigt und stark gefährdet.

Das Rampal Kohlekraftwerk wird insgesamt ca. zwei Milliarden US Dollar kosten und eine Kapazität von 1.320 Megawatt haben. Das UNESCO-Komitee für das Weltnaturerbe hat sich in den letzten Jahren mehrfach mit den befürchteten Auswirkungen dieses Kraftwerkes beschäftigt. Der Wald ist eine natürliche Schutzbarriere gegen Wirbelstürme und kostenloser Küstenschutz für das vom Meeresspiegelanstieg bedrohte Land.

Nach Angaben der Projekt-Website der indischen Niederlassung des baden-württembergischen Unternehmens ist die Fichtner GmbH zudem auch an Planung, Bau bzw. Betrieb von acht Kohlekraftwerken in Indien und eines Kohlekraftwerks in Malaysia beteiligt. Das Unternehmen schreibt in seinem „Firmenleitbild“ vom Juli 2018 „Wir fühlen uns dem Thema Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung verpflichtet. Wir streben Lösungen an, die nachhaltig und umweltschonend sind. Nach Möglichkeit sollen die Lösungen die Lebensgrundlagen kommender Generationen so gering wie möglich belasten.“

„Wie der Bau von Kohlekraftwerken und das Firmenleitbild vereinbar sind, erscheint mir schleierhaft“ so die Abgeordnete Schwarz. Trotz Einwänden des UNESCO-Welterbekomitees und der Internationalen Union zum Schutz der Natur IUCN hat Bangladesch mehr als 320 Industrieprojekte genehmigt, einschließlich des massiven Kohlekraftwerks Rampal, unter Umgehung der Anforderungen für die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Umweltverträglichkeitsprüfung. „Ich möchte es mir nicht so einfach machen und das Bangladesch alleine für diese Entscheidung zu verurteilen. Hier sind die Industrieländer gefordert, Entwicklungsländern wie Bangladesch finanzielle Anreize zu geben, damit statt in Kohlekraftwerke in erneuerbare Energien investiert wird“, so die Abgeordnete Andrea Schwarz. „Wir können beim Klimaschutz nicht immer mit dem Finger auf Länder zeigen, welche heute noch Kohlekraftwerke bauen und uns als die Guten hinstellen, verdienen aber gleichzeitig daran. So kommt der globale Klimaschutz nicht voran!“